In Zusammenarbeit mit: Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

Prof. Katharina Helming im Interview: Die Versicherung unter unseren Füßen

Biodiversität Boden Bodenfruchtbarkeit Klimawandel Landnutzung
Prof. Katharina Helming leitet am ZALF die Arbeitsgruppe »Folgenabschätzung von Landnutzungsänderungen«, ist im Management-Board des BonaRes-­Zentrums und hält eine Professur für Nachhaltigkeitsbewertung an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde. © Hendrik Schneider | ZALF
Prof. Katharina Helming leitet am ZALF die Arbeitsgruppe »Folgenabschätzung von Landnutzungsänderungen«, ist im Management-Board des BonaRes-­Zentrums und hält eine Professur für Nachhaltigkeitsbewertung an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde. © Hendrik Schneider | ZALF

Interview: TOM BAUMEISTER

Je besser der Porenraum im Boden, desto besser die Wasserversorgung von Pflanzen in Dürreperioden. Doch was kann die Landwirtschaft dafür tun? Und wie können Politik aber auch wir Konsumenten die Landwirtschaft unterstützen? Frau Prof. Helming gibt Antworten:

Frau Prof. Helming, Böden sind Ihrer Meinung nach eine der besten Versicherungen gegen die Folgen des Klimawandels in der Landwirt­schaft. Was meinen Sie damit?

Unsere Böden bestehen fast zur Hälfte aus Poren. In denen können Wasser und darin gelöste Nährstoffe nahe der Oberfläche und damit pflanzenverfügbar gespeichert werden. Je besser der Porenraum entwickelt ist, umso länger können Pflanzen in Dürreperioden mit diesem Wasser versorgt werden.

Wie entsteht denn so ein gut entwickelter Porenraum?

Ganz wichtig sind hier Bodenlebewesen, zum Beispiel Regenwürmer, Asseln und Springschwänze. Er entsteht aber auch durch Pflanzenwurzeln. Wenn diese absterben, hinterlassen sie Poren, in denen sich nachkommende Wurzeln nun viel einfacher ausbreiten können.

Und was kann die Landwirtschaft tun, um aktiv in einen guten Boden zu investieren?

In der Abfolge der Feldfrüchte auf dem Acker sollte darauf geachtet werden, dass deren Wurzelsysteme sich gegenseitig ergänzen. So hat zum Beispiel Getreide bis zu einen Meter lange, weit verzweigte Wurzeln. Raps hingegen hat tiefe Pfahlwurzeln. Der Mais wurzelt sehr flach, hier entsteht neuer Porenraum nur in den oberen Zentimetern des Bodens. Baue ich nur eine Fruchtart an, schaffe ich den Porenraum immer nur in einem Bereich des Bodens und reize dessen gesamtes Speicherpotenzial gar nicht aus.

Die Bodenbearbeitung spielt sicher ebenfalls eine Rolle?

Natürlich! Das Pflügen zerstört Porenräume und kann an der unteren Kante des Pfluges eine verfestigte Sperrschicht erzeugen, durch die Wasser und Wurzeln nur schwer in tiefere Bodenbereiche gelangen. Schwere Maschinen verdichten den Boden und verschließen Poren, besonders wenn er nass ist. GPS-gesteuerte Traktoren, automatische Anpassung des Reifendrucks etc. helfen hier schon weiter. Größeres Potenzial sehen wir aber in kleineren und deutlich leichteren, autonomen Maschinen. Diese könnten den Boden in Zukunft noch viel besser schonen, zum Beispiel indem mithilfe von Sensorik Unkräuter gezielt erkannt werden, sodass flächendeckendes Pflügen nicht mehr nötig ist.

Wie können denn die Politik und die Kon­sumenten diese Entwicklung unterstützen?

Die Landwirtschaft muss dem Acker unter unseren Füßen auch Ruhe gönnen und aktiv in den Aufbau eines klimarobusten Bodens investieren können. Das ist unter dem Anspruch ständig steigender Erträge aber nahezu unmöglich. Wir müssen den »Produktionsdruck« auf unsere Böden insgesamt reduzieren. Hierzu braucht es zusätzlich zu geschickten Anbaumethoden zwei Aspekte: eine Ernährungsweise mit einem deutlich geringeren Biomassebedarf und eine finanzielle Honorierung von aktivem Bodenschutz für Landwirtinnen und Landwirte. Wenn wir unseren Fleischkonsum reduzieren, Nahrungsmittelabfälle konsequent vermeiden und neue Technologien intelligent nutzen, können wir eine klimarobustere und nachhaltigere Landwirtschaft entwickeln, die am Ende auch die Landwirtinnen und Landwirte besser durch Wetterextreme bringt. Die Aufgabe der Politik ist es, diesen Wandel auch finanziell zu unterstützen und die richtigen Rahmenbedingungen für Konsumenten, Produzenten, den Handel und die Transport- und Verwertungslogistik zu setzen.

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Weiterführende Informationen zum Beitrag:

Institution: Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.
Ansprechpartner/in: PROF. KATHARINA HELMING

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