In Zusammenarbeit mit: Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE)
29.04.2020

Nachhaltiges Lebensmittelsystem: bürgerschaftliche Finanzierungsmodelle

Biooökonomie Ernährungssicherheit Landwirtschaft Nachhaltigkeit
Ethische Geldanlagemöglichkeiten und nachhaliges Lebensmittelsystem © Pixabay
Ethische Geldanlagemöglichkeiten und nachhaliges Lebensmittelsystem © Pixabay

Text: ANNIKA BISCHOF

Wie lassen sich mit Crowdfunding, Genussrechten, Bürgeraktiengesellschaften und Landkaufgenossenschaften regionale Betriebe in der Lebensmittelproduktion zukünftig besser unterstützen?

In den vergangenen Jahren sind sowohl das Interesse an ethischen Geldanlagemöglichkeiten als auch das persönliche Engagement von Bürgerinnen und Bürger für ein nachhaltiges Lebensmittelsystem gestiegen. Diese Entwicklung kann Unternehmen und Betrieben nutzen, die sich für eine nachhaltige Land- und Lebensmittelwirtschaft einsetzen und nach Alternativen zur klassischen Kreditfinanzierung durch Banken suchen.

An der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) hat sich ein Forschungsteam mit diesen alternativen Finanzierungsmöglichkeiten für regionale Betriebe in der Lebensmittelproduktion beschäftigt.

„Unter bürgerschaftlichen Finanzierungsmodellen verstehen wir diejenigen, die unter finanzieller Beteiligung von Bürgerinnen und Bürger realisiert werden. Beispiele dafür sind Crowdfunding, Solidarische Landwirtschaft, Genussrechte, Bürgeraktiengesellschaften und Landkaufgenossenschaften“, erklärt HNEE-Wissenschaftlerin Gerlinde Behrendtsie.

Diese Finanzierungsmodelle richten sich zum einen an Unternehmen der Land- und Lebensmittelwirtschaft, die sich für die verschiedenen Möglichkeiten interessieren, Kundinnen und Kunden sowie Bürgerinnen und Bürger bei der Finanzierung einzubinden. Zum anderen sollen auch Bürgerinnen und Bürger über die verschiedenen Beteiligungsmöglichkeiten informiert werden.

Und was genau haben die Unternehmen aber auch Bürgerinnen und Bürger davon?

Für Unternehmen seien diese Formate attraktiv, da sie Alternativen zur klassischen Kreditfinanzierung durch Banken bieten. Zeitgleich können sie Bürgerinnen und Bürger in die Finanzierung ihres Unternehmens einbinden und mitunter den eingeschränkten Zugang zu klassischer Finanzierung ausgleichen oder die Abhängigkeit von einer Bank reduzieren.

Bürgerinnen und Bürger können sich direkt finanziell an Unternehmen beteiligen. Das heißt, Ihnen werden die Möglichkeit einer ethischen Geldanlage und eine nachhaltigere Lebensmittelwirtschaft geboten. Insbesondere im Biosektor erhalten sie einen stärkeren Bezug zur Herkunft ihrer Lebensmittel.

Seit September 2017 hat sich das Forschungsteam der HNEE mit dem Thema befasst, hat Umfragen bei den Betrieben durchgeführt, um Merkmale, Potenziale und Herausforderungen der verschiedenen Finanzierungsmodelle herauszuarbeiten und herauszufinden, wie sich die Unternehmen und Initiativen darüber informieren.

„Wir haben herausgefunden, dass Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter entlang der Wertschöpfungskette von Lebensmitteln diese Alternativen nicht nur als Finanzierungs-, sondern häufig auch als Marketinginstrument nutzen“, berichtet Gerlinde Behrendt, die das BioFinanz-Projekt an der HNEE bearbeitet hat. Dies sei vor allem dann der Fall, wenn mit den bürgerschaftlichen Finanzierungsmodellen ein hoher Aufwand verbunden ist. „Dann sehen die Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter darin eine Investition ins Marketing“, ergänzt sie. Insbesondere Modelle, bei denen Bürgerinnen und Bürger eine Gegenleistung in Form von Naturalien oder Warengutscheinen erhalten, eignen sich zusätzlich als Marketinginstrument, um Kundinnen und Kunden zu gewinnen und an sich zu binden.

Im Ergebnis ist eine Informationsplattform entstanden, die seit Ende April 2020 online ist. „Das BioFinanz-Portal gibt Interessierten einen ersten Überblick über die verschiedenen alternativen Finanzierungsmodelle“, fasst Gerlinde Behrendt zusammen.

Ziel der neuen übersichtlichen Informationsplattform „BioFinanz“

Ziel von BioFinanz war es, eine Plattform zu schaffen, die gebündelt über die Vor- und Nachteile einzelner Finanzierungsmöglichkeiten informiert und zwar so, dass es aus Sicht der Zielgruppen auch verständlich und ansprechend ist. Das ist nun gelungen:

Betriebe der biologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft können ein passendes Modell für die eigene Finanzierung und Bürgerinnen und Bürger Informationen über die verschiedenen Möglichkeiten der finanziellen Beteiligung finden.

Die neue Online-Informationsplattform: www.biofinanz.info bietet hierzu vor allem kleinen Betrieben der ökologischen wie auch sowie Initiativen aus diesen Bereichen einen guten Überblick.

Ergänzende Beiträge auf querFELDein

Weiterführende Informationen:

Über das Projekt
Das Verbundvorhaben BioFinanz von der HNEE und dem Institut für Ländliche Strukturforschung an der Goethe-Universität Frankfurt am Main (IfLS) wurde im Rahmen des Bundesprogramms „Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft“ (BÖLN) gefördert. An dessen Durchführung sind auch die Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL) und der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) e.V. beteiligt.
Mehr Infos unter: www.hnee.de/biofinanz

Erschien zuerst im: Pressebereich der HNEE
Institution: Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE)
Ansprechpartner/in: Prof. Dr. Anna Maria Häring (HNEE) und Simone Sterly (IfLS)
Wo sehen Sie/seht ihr Möglichkeiten, dass noch mehr Verbraucherinnen und Verbraucher von dieser Form der Unterstützung Gebrauch machen?

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