In Zusammenarbeit mit: Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Mehr Moor bitte!

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Als wichtige Kohlenstoffspeicher leisten Moore auch einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz. © Dominik Zak

Text: NADJA NEUMANN

Der Rückhalt des Wassers in der Landschaft ist in Zeiten des Klimawandels eine große Herausforderung für die Landwirtschaft und den Naturschutz. Die Renaturierung ehemals trockengelegter Moorflächen und die Wiederansiedlung des Bibers haben einen Einfluss auf den Wasserhaushalt.

Die Ökohydrologie-Professorin Dörthe Tetzlaff und ihr Team vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) haben die Langzeiteffekte auf das Wasserregime und die Wasserqualität der Fließgewässer in der landwirtschaftlich genutzten Region in einem Teileinzugsgebiet der Spree im nordostdeutschen Tiefland untersucht und dabei umfangreiche Datensätze der letzten 30 Jahre verwendet. In dieser Region werden rund 90 Prozent des Gesamtniederschlags durch Verdunstung von Pflanzen und Boden, die sogenannte Evapotranspiration, wieder an die Atmosphäre abgegeben.

Der Biber ist nach Brandenburg zurückgekehrt – und hat einen positiven Einfluss auf den Wasserhaushalt. © Sokolov Alexey / Shutterstock
Der Biber ist nach Brandenburg zurückgekehrt – und hat einen positiven Einfluss auf den Wasserhaushalt. © Sokolov Alexey / Shutterstock

Der Biber begünstigt die Wiedervernässung von Mooren

Renaturierungsmaßnahmen und die Wiederansiedlung des Bibers entlang des untersuchten Gewässerverlaufs haben seit dem Jahr 2000 zum Ansteigen des Grundwasserspiegels geführt. Vor 2010 wurden weniger als 5 Prozent des Niederschlags dem Grundwasser zugeführt. Seitdem hat sich die Grundwasserneubildungsrate durch Niederschlagswasser erhöht, dennoch bleibt sie mit einem Anteil von unter 10 Prozent gering. Die Wiedervernässung von Mooren, begünstigt durch die Wiederansiedlung des Bibers, hat zu einem längeren Verbleib des Wassers im Gewässernetzwerk und einer Verringerung von täglichen Wasserstandschwankungen geführt, also einem „gedämpfteren“ Abflussverhalten. Allerdings hat sich der steigende Grundwasserspiegel weniger als erwartet auf das gesamte Abflussverhalten im Einzugsgebiet ausgewirkt.

„Der Anteil an wiedervernässten Moorflächen ist im Vergleich zur landwirtschaftlichen Fläche immer noch viel zu gering, um den Abfluss des Wassers in der Landschaft maßgeblich zu verändern. Hinzu kommt, dass eher mehrere kleine, anstatt größere und zusammenhängende Moorflächen wiedervernässt wurden“, erklärt der Landschaftsökohydrologe Dr. Aaron Smith. Der Forscher empfiehlt, größere ehemalige Moorflächen und vor allem miteinander verbundene Teilstücke zu vernässen. So könnten sich der Rückhalt und die Speicherung von Wasser in landwirtschaftlich geprägten Landschaften langfristig verbessern.

Moorforscher nehmen Proben in einem wiedervernässten Moor. © IGB
Moorforscher nehmen Proben in einem wiedervernässten Moor. © IGB

Trotz der Renaturierungsmaßnahmen hat sich auch die Wasserqualität im Untersuchungsgebiet innerhalb der letzten Jahrzehnte kaum verändert. Dörthe Tetzlaff erklärt das so: „Dies spiegelt wahrscheinlich die langfristige Wirkung des Düngemitteleinsatzes auf die Nährstoffreserven in Böden, Grundwasser und Gewässer im Einzugsgebiet wider. Es zeigt sich, dass Veränderungen der Landnutzung sowie Renaturierungsmaßnahmen oft erst nach mehreren Jahrzehnten Wirkung zeigen.“

Erschien zuerst im:
Science of The Total Environment
Institution: Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Ansprechpartner/in: Aaron Smith und Dörthe Tetzlaff

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