In Zusammenarbeit mit: Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE)
21.04.2020

Bäume gegen Trockenheit: Studie zur Akzeptanz

Agrarlandschaften Agroforst Boden Landwirtschaft
Agroforst: Bäume gegen Trockenheit © Daniel Villwock | HNEE
Agroforst: Bäume gegen Trockenheit © Daniel Villwock | HNEE

Text: ANNIKA BISCHOF

Agroforstsysteme bieten Schutzgürtel für eine nachhaltigere Landnutzung in trockeneren Klimazonen wie Zentralasien, doch die Skepsis der Landwirte gegenüber solchen Baumreihen ist groß. Woran liegt das? Eine Studie der HNEE in Kirgisistan löst auf.

Weshalb eine Studie zur Akzeptanz von Agroforstwirtschaft in Zentralasien?

Agroforstsysteme könnten eine Reihe von landwirtschaftlichen Herausforderungen in Gebieten adressieren, in denen sogenanntes semi-arides Klima herrscht. Gemeint sind Regionen, wo niederschlagsreiche Phasen von einer längeren Trockenzeit unterbrochen werden. Ernteerträge und damit Einkommen schwanken, durch Winderosion geht trockener, aber fruchtbarer Boden dort viel leichter verloren. Forscherinnen und Forscher sehen im Einsatz der Agroforstwirtschaft in diesen Regionen, im Speziellen in der Kombination von Landwirtschaft und dem Bau von Windschutzstreifen Potentiale, Ernteerträge zu erhöhen, zusätzliche Holzressourcen zu schaffen sowie die Bodendegradation und Winderosion zu verringern. Von entscheidender Bedeutung ist daher die Akzeptanz dieser Praxis durch die Landwirtschaft.

Denn, vor Ort scheint die Skepsis gegenüber Agroforstwirtschaft auch aus den historischen Erfahrungen heraus noch groß, wie eine Studie im zentralasiatischen Kirgisistan jetzt deutlich macht: Im Hinblick auf die Einführung von Baum-Windschutzstreifen gibt es unter den Landwirtinnen und Landwirten erhebliche Akzeptanzbarrieren, so die Autoren der Studie. Um die Einführung von Windschutzstreifen auszuweiten, schlagen die Forscherinnen und Forscher daher kooperative Modelle vor und setzen auf die aktive Unterstützung lokaler Regierungen – auch um die Skepsis in der landwirtschaftlichen Praxis nachhaltig abzubauen.

Bäume gegen Trockenheit: August 2018: Das Bild zeigt Pappelschutzgürtel auf Feldern im Gebiet Jalal Abad Oblast. Kirgisistan: eAgrosforestry project © Daniel Villwock | HNEE
Bäume gegen Trockenheit: August 2018: Das Bild zeigt Pappelschutzgürtel auf Feldern im Gebiet Jalal Abad Oblast. Kirgisistan: eAgrosforestry project © Daniel Villwock | HNEE

Die größten Hindernisse für die Einführung von agroforstwirtschaftlichen Windschutzstreifen stellen kleine Parzellengrößen sowie mangelnde Information und Unterstützung durch die Lokalregierung dar. Dies ist das Hauptergebnis einer ersten Studie, die Einstellungen kirgisischer Landwirte zu Windschutzstreifen untersuchte und Möglichkeiten nachging, die Verbreitung dieser Praxis zu fördern. Die Studie zur Wahrnehmung von Windschutzstreifen durch Landwirte in Kirgistan basiert auf einem Projekt, das von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde in Zusammenarbeit mit dem World Agroforestry Centre (ICRAF) durchgeführt und im Februar 2020 in der Fachzeitschrift Sustainability veröffentlicht wurde.

Zitat Niels Thevs vom World Agroforestry Centre (ICRAF) in Kirgistan

“Die Ergebnisse dieser Studie sind relevant, weil der ökosystemare Ansatz für agroforstwirtschaftliche Systeme einen immer größeren Zuspruch findet. Wir stellen nicht nur neue Erkenntnisse über die Herausforderungen bei der Wiedereinführung von Windschutzstreifen dar, sondern zeigen auch klar auf, dass die Anliegen der Bauern ernst genommen werden müssen, wenn wir Strategien zur Förderung umweltfreundlichen Verhaltens entwickeln wollen.“

Zitat Martin Welp, Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde:

“Wie bei so vielen Herausforderungen im Zusammenhang mit nachhaltiger Entwicklung gibt es auch für umweltfreundliches Verhalten vielfältige Hindernisse. Wir müssen diese Barrieren erst einmal verstehen, aber auch überwinden können, indem wir institutionelle Rahmenbedingungen schaffen, die den Weg für die verstärkte Akzeptanz nachhaltiger Praktiken ebnen.”

Die Pflanzung von Baumreihen zum Windschutz entlang der Grenzen landwirtschaftlicher Nutzflächen war in der Sowjetunion eine weit verbreitete Form der Agroforstwirtschaft. Das Ackerland relativ großer Kolchosenparzellen wurde so vor Winderosion geschützt. Die Forscher argumentieren, dass solche Schutzgürtel zu einer nachhaltigeren Landnutzung in den semi-ariden Klimazonen Zentralasiens führen könnten, wobei die Landwirtschaft in dieser Region stark auf Bewässerung angewiesen ist.

Der Übergang vom größer angelegten Kolchosensystem zur individuellen Landwirtschaft in den 1990er Jahren mit vielen kleinen Parzellengrößen hat jedoch dazu geführt, dass Landwirte nur zögerlich zu der früheren Praxis zurückkehren wollen. Sie nehmen mehr die Nachteile einer solchen Praxis wahr, wie etwa geringere Ernteerträge durch Beschattung, und sind sich der Vorteile dieses Systems gemeinhin nicht ausreichend bewusst.

Die Ergebnisse der Interviews mit 80 Landwirten der Regionen Issuk Kul und Jalal Abad haben die Wissenschaftler*innen dennoch zuversichtlich gestimmt. Es lässt sich ableiten, dass sich die eher negative Wahrnehmung durch drei Maßnahmen ändern könnte: Erstens könne man anstatt zwischen einzelnen Landnutzungsflächen um die Ländereien mehrerer einzelner Parzellen herum Windschutzstreifen einrichten. Die Überzeugung der Landwirte diese „kollektivere“ Praxis wieder anzunehmen, würde der Besorgnis um Einkommensverluste durch Beschattung entgegenwirken und Konflikte zwischen direkten Nachbarn mildern. Zweitens, könnten Landwirte mehr Unterstützung durch offizielle Beratungsdienste und Lokalregierungen erhalten, die wiederum ihrerseits besser über die Vorteile agroforstwirtschaftlicher Praktiken informiert werden. Zuletzt könnten Windschutzstreifen modellhaft eingeführt werden, um den Landwirten vor Ort zu demonstrieren, dass sie weitaus mehr Vorteile bringen als einzig zur Bereitstellung von Brennholz oder Baumaterial.

Ergänzende Beiträge auf querFELDein

Weiterführende Informationen:

Über das World Agroforestry Centre (ICRAF)

World Agroforestry (ICRAF) ist ein Zentrum für wissenschaftliche und entwicklungspolitische Exzellenz, das die Vorteile von Bäumen für Mensch und Umwelt nutzt. Das von ICRAF produzierte Wissen ermöglicht es Regierungen, Entwicklungsorganisationen und Landwirten, die Kraft der Bäume zu nutzen, um die Landwirtschaft und die Lebensgrundlagen in mehrfacher Hinsicht ökologisch, sozial und wirtschaftlich nachhaltiger zu gestalten. Die ICRAF ist eines der 15 Mitglieder der CGIAR, eines globalen Forschungskonsortiums für eine nahrungsgesicherte Zukunft.

Erschien zuerst im: Pressebereich der HNEE
Institution: Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE)
Ansprechpartner/in: Prof. Dr. Martin Welp und Niels Thevs

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